Wie ich in Kontakt mit einer Programmierung gekommen bin und wie mir ein Paarkonflikt die Möglichkeit geschenkt hat, einen großen Schritt zu tun

Carolyn Litzbarski

Beziehung als Persönlichkeitsentwicklung

Partnerschaft ist Persönlichkeitsentwicklung pur. Kaum eine zwischenmenschliche Beziehung schenkt uns eine derart tiefe Begegnung mit unseren persönlichen Schatten und unseren früheren Verletzungen.

Und genau das durfte ich in meiner Workation in Prag selbst erleben. Achtung, es wird persönlich!

Was uns passiert ist

Es war unser letzter Abend in Prag. Wir wollten Essen gehen und dann noch auf ein Getränk in die Salsabar. Das Essen war lecker, das Bier noch leckerer. Und dann kam die Rechnung.

Ich war während der Workation für alle Online-Buchungen und Tickets zuständig, mein Partner für die Barkasse. Somit war er für die Rechnung zuständig.

Und dann?

Ist er plötzlich hektisch.

Er hat festgestellt, dass er das tschechische Geld nicht findet. Im Portemonnaie schlummerten die Euro. Aber keine einzige Krone zeigte sich.

Was dann genau passiert ist, kann ich kurz zusammenfassen: Er verstand die Welt nicht mehr und fing nervös an, jede Hosen- und Jackentasche zu durchwühlen. Ich blieb leider nicht cool – im Gegenteil: die Hektik befiel auch mich. „Das kann doch nicht sein.“ „Wie kann denn so etwas passieren?“

Um es abzukürzen: Das Geld war tatsächlich verschwunden.

Natürlich konnten wir mit Karte zahlen. Und es fehlte nicht viel Geld.

Warum ist diese Situation so dramatisch für uns beide geworden? Warum schreibe ich darüber sogar einen Blog-Artikel?

Was uns passiert ist (deep dive)

Eine ungeplante und unerwartete Situation kann Stress erzeugen. Und im Stress schaltet unser Gehirn auf einen Notfallmodus. Dabei nutzt es sehr gerne die „alten Programme.“ Die alten Programme sind das, was wir früh gelernt haben – unabhängig davon, ob wir es im Hier und Jetzt als hilfreich bewerten. Es ist, als ob da eine Straße verläuft. Und im Erwachsenenalter legen wir neue Straßen an. Die sind meistens nicht so gut ausgebaut wie die älteren Straßen.

 

Beispiel

Lisa hat das Gefühl, nach Zuneigung „jagen“ zu müssen. Körperliche Liebesbeweise wie Streicheln und Kuscheln kommen immer von ihr aus. Immer wieder ist sie gekränkt, wenn Pascal nur einen Teil des Wochenendes mit ihr verbringt. Gemeinsame Abende mit ihr sollten doch keine Pflicht sein, sondern etwas Schönes, was er gerne machen sollte? Was treibt ihn denn von ihr weg? In ihrer Angst fängt sie an, „zu klammern“. Eigentlich weiß sie, dass Pascal das überhaupt nicht mag. Aber sie kann nicht anders.

Traurige Frau

Und ich?

Ich kann für mich sagen, dass ich sowohl durch die ungeplante Situation als auch den nervösen Partner in ein Notfallprogramm gerutscht bin. Eine Programmierung, die in mir abgespeichert ist.

Diese Programmierung beinhaltete:

Wenn ein Fehler passiert, dann ist das eine Katastrophe.

Wenn ein Fehler passiert, dann erhältst du eins auf den Deckel.

Wenn ein Fehler passiert, dann kannst du nicht immer Unterstützung erwarten.

Und dann habe ich das umgekehrt, und mich genau so verhalten, wie ich es abgespeichert habe, wenn ich Fehler gemacht habe.

Erst einmal: ich hatte sicherlich eine schöne Kindheit. Und meine Eltern waren verständnisvoll und bedingungslos für mich da, wofür ich ihnen sehr dankbar bin.

Und gleichzeitig haben sich ein paar Erfahrungen eingeschlichen, die leider eine sehr tiefe Straße in meinem Gehirn hinterlassen haben. Ich lasse ein Glas fallen und meine Mutter wird laut. Ich nehme den falschen Zug, rufe zu Hause an und höre: „Und was soll ich jetzt machen?“. All das waren spontane Reaktionen, die ich erhalten haben.

Nach diesen spontanen Reaktionen kam dann Unterstützung und möglicherweise Verständnis. Die spontanen Reaktionen haben aber die tieferen Straße hinterlassen.

Das merke ich als Erwachsene: ich frage ungern um Hilfe. Und der Hinweis auf Fehler, die ich gemacht habe, bringt mein Herz zum Rasen. Dennoch sehe ich mich als sehr fehlerfreundlich. Das ist eine neue Straße, die ich gebaut habe. Ich habe gelernt: Better done, than perfect.

Das Problem: mein altes Programm wende ich im Stress nun selbst an. Und das hat mein Partner zu spüren gekriegt. So wie ich abgespeichert habe: Du hast einen Fehler gemacht, du verdienst kein Verständnis – so habe ich es ausgelebt. Und habe somit meinen Partner nicht unterstützt.

Was macht unsere Programme gefährlich?

Erst einmal: unsere Programmierung ist ganz oft hilfreich. Nur manche Programme wirken eher destruktiv. Nicht nur, weil wir sie selbst nicht wollen. Nein: sie haben unerwünschte Auswirkungen. Zum Beispiel auf unsere Beziehung.

Ich habe mir eine Situation ausgesucht, in der ich durch meine Programmierung einen wunden Punkt meines Partners berührt habe. Für ihn war es nämlich unangenehm, dass er in dieser Situation keine Unterstützung von mir erhalten hat. Das ist sein wunder Punkt, in einem fremden Land, in einer fremden Sprache alleine zu sein.

In einer Beziehung haben unsere Programme Auswirkungen. Wir berühren wunde Punkte. Wir stoßen aneinander.

Was du tun kannst um mit deinen Programmen und wunden Punkten eine erfüllende Beziehung zu führen

Es ist wichtig und nützlich, bei uns selbst und bei unserem Partner die wunden Punkte genau kennenzulernen. Dann können wir lernen, nicht daran zu stoßen. Sollte es doch einmal passieren, haben wir mehr Verständnis füreinander. Dieses „Verstehen“ von Dynamiken rund um eure wunden Punkte und euer Notfallprogramm ermöglicht einen schnelleren Ausstieg. Euch gelingt es dann, trotz Schmerz noch in Verbindung zu bleiben, zum Beispiel über achtsame Kommunikation.

Starte jedoch deine Entdeckungsreise bei dir. Erforsche deine Programme und wunden Punkte und beginne, diese in der Kommunikation einfließen zu lassen. Ganz oft erkennen wir zuerst beim anderen seine oder ihre Themen und lassen unsere außen vor.

Wichtig für dich:

Starte dein eigenes Forschungsprojekt und ergründe deine innere Welt, deinen Beziehungsrucksack und deine möglichen wunden Punkte. Sei dir bewusst, dass der andere ebenfalls seine innere Welt hat. Und diese ist so unterschiedlich zu deiner. Wie der Garten eines Nachbarn, der Blumen da hat, wo du lieber Obstbäume hast und der das Gras da gemäht hat, wo du eine Wildblumenwiese stehen hast. Viel Freude beim Erforschen!

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