Bin ich beziehungsfähig?

Inhaltsverzeichnis

Stellst du dir auch immer wieder die Frage: Bin ich beziehungsunfähig?

Diese Frage kommt in dir auf, weil du vielleicht immer wieder in dasselbe Muster gerätst:

  • Bereits in der Kennenlernphase bist du misstrauisch. Dabei ziehst du lieber Mauern, als dich zu öffnen.
  • Du landest ständig in Beziehungen, die dich toxisch beeinflussen. Leider schaden diese dir mehr, als dass sie dir guttun
  • Wenn du den perfekten Partner*in gefunden hast, dann willst du fliehen. Falls du dabei nicht vor Nähe flüchtest, dann vielleicht, weil du ihn/sie nicht mehr interessant findest.

Wenn es dir so geht und wenn du dich immer wieder fragst, ob du überhaupt beziehungsfähig bist, dann ist dieser Beitrag etwas für dich.

Was heißt eigentlich beziehungsfähig und was heißt beziehungsunfähig?

Beziehungsfähigkeit geht Hand in Hand mit Bindung, dem individuellen Bindungstyp und dem Bindungsverhalten.

Was mir wichtig ist: Beziehungsunfähig an sich ist z.B. keine Diagnose. Denn dass wir Menschen überhaupt keine Beziehungen oder keine Bindung eingehen können, gibt es nicht.  Wir sind grundsätzlich damit ausgestattet, in Beziehung zu sein. Und wir sind somit grundsätzlich beziehungsfähig.

Welche Beziehungen führen wir? Unsere Beziehungen haben unterschiedliche Qualitäten, abhängig von uns und abhängig vom anderen. Beziehungen führen wir mit der Familie, mit Freund*innen und eben auch mit den Partner*innen. Die einen führen intensivere Beziehungen, die andere (augenscheinlich) nicht.

In diesem Beitrag möchte ich mich vor allem auf die besondere Beziehung innerhalb der Partnerschaft beziehen. In der Partnerschaft erfüllen wir wichtige Bedürfnisse nach Nähe und Zugehörigkeit. Übrigens gibt es zum Umgang mit Bedürfnissen in der Partnerschaft auch einen Blog-Artikel hier.

Was auch immer „mit dir los ist“ – du stellst dir wahrscheinlich die Frage „bin ich beziehungsunfähig?“, weil du Schwierigkeiten hast, eine Partnerschaft einzugehen oder aufrechtzuerhalten. Du weißt nun, dass es „beziehungsfähig“ als Zustand nicht gibt. Aber du erlebst Schwierigkeiten aufgrund von gewissen Mustern. Und diese Muster werden wir nun entschlüsseln.

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Bindung als Schlüssel der Liebe

Um das Muster zu entschlüsseln, dass dir in der Partnerschaft oder in der Anbahnung einer Partnerschaft begegnet, müssen wir ein bisschen theoretisch werden.  Dazu gehen wir in die Bindungstheorie.

Bindung gilt als Schlüssel der Liebe

Dabei ist die sogenannte „Bindung“ das Band zwischen Menschen, das von früh an von dem Säugling zur Bezugsperson entwickelt wird. Dieses Band hat eine nahezu heilende Kraft. Die Qualität der Bindung im Kindesalter hat Auswirkungen auf die gesamte emotionale und soziale Entwicklung. Außerdem wird die Bindungserfahrung, die mit der ersten Bezugsperson gemacht wurde, später übertragen. Dazu aber später mehr.

Wir alle haben eine gewisse Bindung entwickelt. Warum? Weil wir alle eine Bezugsperson, eventuell auch mehrere oder wechselnde Bezugspersonen als Säugling hatten.

Die Bindungskategorien

Ein Psychiater namens Bolby hat in einem bekannten Experiment das Bindungsverhalten von Kleinkindern zu ihrer Mutter beobachtet. Das Experiment umfasste vor allem den Umgang des Kindes mit der Abwesenheit der Mutter, und wie das Kind nach Abwesenheit den Kontakt zur Mutter aufnimmt.

Das Resultat: er konnte anhand des Verhaltens der Kinder ein Kategoriensystem der unterschiedlichen Bindungstypen entwickeln.

Die Bindungstypen und mögliche Muster

Wie bereits dargestellt, ist niemand von uns an sich beziehungsunfähig. Wir haben aber unterschiedliche Bindungstypen entwickelt, die sich in der Partnerschaft auswirken können.

 

Sichere Bindung:

Wenn unsere ersten Bezugspersone(en) zuverlässig verfügbar und zugänglich waren, entwickeln wir eine sichere Bindung. Wir suchen dann auch später zu den wichtigen Bezugspersonen, zum Beispiel unseren Partner*in Nähe, wenn wir sie brauchen. Wir haben ein Vertrauen darin, dass wir Trost und Fürsorge von dem anderen erhalten. Ein liebevoller Kontakt führt dazu, dass wir uns (selbst) beruhigen können und dass wir ein emotionales Gleichgewicht erhalten. Insgesamt geben uns Nähe und das Gefühl, den anderen zu brauchen, ein gutes Gefühl.

Vermeidender Bindungstypus

Eine Form der Bindung ist der vermeidende Typus. Wir merken, dass wir dazu tendieren, eigene Gefühle herunterspielen, um uns zu schützen. Damit wollen wir vermeiden, verletzt zu werden oder abhängig von anderen zu werden. Wir haben ein menschliches Bedürfnis nach Nähe, vermeiden dies aber: die anderen sind – unbewusst – für uns eine Gefahrenquelle anstelle von Sicherheit und Trost.

Unsicherer Bindungstypus

Die unsichere Bindungsform ist geprägt von intensiven Gefühlen. Wir haben (unbewusst) die Angst, verlassen zu werden. Das kompensieren wir, indem wir Nähe suchen und auch Gegenbeweise verlangen für die unbewussten Fragen in uns: liebt er oder sie mich wirklich? Dann zeig es mir!

 

Sind diese Muster veränderbar?

Wenn du dich jetzt in einer Kategorie der Bindungstypen wiederfindest, dann stellst du dir vielleicht die Frage: Und was jetzt? Ich möchte dich einladen, diese Bindungsqualität als ein Muster zu sehen. Eine Prägung, dir wir alle haben, unser persönlicher Stempel. Aber diese Prägung, dieser Stempel macht uns aber nicht vollumfänglich aus.

Wenn dir ein Muster nun bekannt ist, wie z.B. Aspekte der unsicheren Bindung, dann bist du diesem Muster nicht ausgeliefert. Nein, wir Menschen können uns auch verändern, wir sind Gestaltende unseres Lebens.

Unser Muster ist aber wie eine Art alte Programmierung. Das kann dann schon auch mal wie eine Art Notfallsystem werden: wenn du im Stress bist, dann kommt diese „Werkseinstellung“ dann mehr zum Tragen und du igelst dich zum Beispiel ein als Symptom einer unsicher-vermeidenden Bindung.

Das Freizeitverhalten deines Partners löst massive Verlustängste aus. In diesen Emotionen schwankst du zwischen einem nähesuchenden Verhalten bis zum Klammern, gefolgt von starker Ablehnung und Distanz als ein Symptom der unsicher-ambivalenten Bindung.  

Sieh diese Muster als ein Notfallprogramm, dass sich in Stress und bei Emotionalität abspult. Du bist aber mehr als dein Muster. Wenn du für dich deine Muster reflektiert hast, dann sind sie dir mehr bewusst. Mit deinem bewusssten, fähigen Verstand kannst du anders handeln.

Strategien

Du kannst nun auf eine Entdeckungsreise gehen nach deinen Mustern. Was beobachtest du selbst an dir, was sind deine Stolpersteine in deiner Partnerschaft? Was ist dein Notfallprogramm? Wenn du das identifiziert hast, dann kannst du in der Situation ein „Stop“-Signal an dich senden und dich wieder deinem neuen Programm zuwenden. Denk daran: du bist fähig, deine Muster anzupassen. Innerlich tobt dein Notfallprogramm. Du bist aber fähig, dies mit dem bewussten Verstand wahrzunehmen und auf Pause oder Stop drücken. 

Ein wichtiger Schlüssel zum Umgang mit deinen Mustern ist übrigens auch die KommunikationMit gelingender Kommunikation kannst du wieder in Verbindung treten mit den anderen, deine Bedürfnisse und Gefühle äußern.

Schau dir zum Beispiel den unsicheren Bindungstypus an: dieser befürchtet (manchmal unbewusst), nicht geliebt zu werden. Die Befürchtung kann mit den passenden Strategien und mit dem Fokus auf eigene Bedürfnisse ausgesprochen werden.

Beispiel:

„Ich habe das Bedürfnis nach gemeinsamer Zeit mit dir. Ich würde mir wünschen, dass auch wir das Wochenende gemeinsam verbringen.“

Oder auch, eine Stufe tiefer (z.B. als Ergebnis gemeinsamen Paarcoaching-Stunde):

„Ich habe das Bedürfnis nach gemeinsamer Zeit mit dir. Was ich mir wünsche ist, dass auch wir das WE gemeinsam verbringen. Ich erlebe Ängste, wenn du gehst: Ängste, dass du mich nicht liebst. Ich weiß mit meinem bewussten Verstand, dass das nicht stimmt, aber mein eigenes Notfallprogramm aktiviert sich. Und ich möchte, dass du das weißt, damit du verstehst, warum ich dann manchmal so stark reagiere.“

 

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